Die Zeit bis 1945

Bestrebungen zur Gründung einer DLRG Ortsgruppe in Augsburg gehen auf den Sommer 1930 zurück. Als offizielles Gründungsdatum der Ortsgruppe gilt der 11. Januar 1931. Von diesem Tag datiert ein Schreiben, das Lorenz Hummel als Leiter der Ortsgruppe Augsburg unterzeichnet. Lorenz Hummel ist aber weiterhin auch für den DLRG Bezirk Schwaben tätig. Am 29.11.1931 übernimmt er den Vorsitz für den Bezirk Schwaben, zusammen mit Paul Vokentanz, der als technischer Leiter, Schriftführer und Kassier fungiert.

Ein Aktenvermerk der Stadt Augsburg vom 8. April 1931 gibt Aufschluss über die Aufteilung der vier Wasserrettungsstationen in Augsburg. Dort heißt es:

(...) es soll verteilt werden:

die Station am Wertachkanal beim Kraftwerk und die Station an der Wertach bei Gebr. Bayer - an die DLRG und Sanitätskolonne, die Station am Lech bei der Wolfzahnau und die Station am Lech beim Ablaß an das Arbeiter-Sportkartell und die Arbeiter-Samariter.

1933 wird von der DLRG in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Sanitäts- kolonne auch eine Station am Kuhsee betrieben, wie aus einem Zeitungs- bericht vom 14.09.1933 hervorgeht. Im Vordergrund des Fotos sind je 3 Rettungsschwimmer und 3 Sanitäter zu sehen. Der Mann mit Hut im Hintergrund ist wahrscheinlich Lorenz Hummel.

Rettungsschwimmausbildung in den 1930er Jahren.

In den historischen Unterlagen finden wir auch Informationen zur Rettungs- schwimmausbildung in den 1930er Jahren. So ist beispielsweise das Protokoll der Sitzung der “Lehrschein-Inhaber der D.L.R.G. Ortsgruppe Augsburg am 23.5.1932” überliefert. “Anwesend: Herr Hummel, Herr Obermed. Dr. Keck, Herr Wiedmann, Herr Schenk von der Reichswehr, Herr Josef Meyer, Herr Beigl.” Als dritter Punkt geht es um einen neuen Kurs. Dr. Keck will mit St. Stefan und St. Anna Einzelheiten zu einem neuen Kurs für “Grund-  und  Prüfungsschein-Erwerbung durch die Schüler der oberen Klassen” abklären und das Ergebnis Lorenz Hummel mitteilen.

Der “Grundschein” kann von den Anforderungen her in etwa mit dem heutigen Deutschen Rettungsschwimmabzeichen (DRSA) Bronze verglichen werden. Der “Prü-ungsschein” enthält Elemente des DRSA Silber und DRSA Gold. Abschleppen in Kleidern und Schuhen erscheint für uns heute schon ziemlich hart. Man muss jedoch davon ausgehen, dass es sich auch zur damaligen Zeit um Mindestanforderungen gehandelt hat und die Prüflinge erfahren sollten, wie sich bestimmte Übungen anfühlen.

Ein Standardwerk zum Rettungsschwimmen wurde das Lehrheft “Wasser-Rettung - Ratgeber für Rettungs-Schwimmer und Nothelfer von Obermedizinalrat  Dr.  Albert  Keck”.

1. Auflage - Alwin FröhlichVerlag in Leipzig - 1933. Das Vorwort ist mit Ostern 1933 datiert. Weitere Auflagen folgten in kurzen Abständen.

Dr. Albert Keck (1884 - 1941) erläutert verschiedene Themen, beginnend mit Leitsätzen und körperlichen Vorausset- zungen für die Ausbildung zum Rettungsschwimmer und der Geschichte desWasserretungsdienstes, die er allerdings mit der Geschichte der DLRG gleichsetzt und hier erst 1913 beginnt. Dann folgen die Kapitel zu den anatomisch-physiologischen Grundlagen. Der Hauptteil befasst sich mit den klassischen Inhalten des Rettungsschwimmens und der Wiederbelebung. Es folgen die Prüfungsbedingungen und im Anhang geht es um den Versicherungs-chutz für Rettungsschwimmer.

Die Person des Obermedizinalrat Dr. Albert Keck ist aber bei ganzheitlicher historischer Betrachtung zwiespältig. Einerseits engagiert er sich für die Rettungsschwimmausbildung und die Rettung von Leben. Auf der anderen Seite trifft er während der NS-Zeit Entscheidungen darüber, welches Leben lebenswert ist und sich fortpflanzen darf. Er veranlasst in dieser Zeit nämlich "Zwangssterilisationen von Behinderten" in seiner Funktion als Schularzt. (siehe dazu: Augsburger Allgemeine vom 30. Januar 2013 - Über 700 Menschen im Raum Augsburg zwangssterilisiert von Angela Bachmair und die Arbeiten der Historikerin Annette Eberle).

(Dagmar Leeb)